Schietwetter

Wir sind das Volk

Shietwetter, entspannter Sofasonntag drinnen. Was mich aber seit Tagen immer noch unentspannt, ja andauernd bestürzt sein lässt, sind die Verhältnisse in unserem Land. Zusammengefasst: Da darf jemand von der AfD, der bezeichnenderweise „Hetze“ mit Nachnamen heißt, mit amtlichem Segen ein Flüchtlingsheim betreiben. Und der lädt quasi zur Begrüßung bei der Ankunft von schutzsuchenden Menschen einen hasserfüllten, rechtsradikalen Mob ein. Der wiederum skandiert dann auch noch „Wir sind das Volk“ – was schlicht eine Perversion des ursprünglichen Sinns dieses Ausrufs bedeutet –, während die dortige Polizei mit „unmittelbarem Zwang“ reagiert – allerdings nicht gegen die Rechtsradikalen, sondern gegen die Geflüchteten. Von amtlicher Seite wird schließlich noch erklärt, dass das alles so richtig gewesen sei.

Das ist schlicht grotesk, das ist eine Schande für unser Land. Und es ist ja nicht nur ein sächsisches Dorf. Es ist ein Flächenbrand, im leider wahrsten und traurigsten Sinne des Wortes, seit langer Zeit nun schon. Er zieht sich nicht mehr nur durchs Netz, sondern findet vielerorts real statt, mit übelsten Gewalttaten gegen Menschen. Diese Verrohung der Verhältnisse, diese aggressive Feindlichkeit gegenüber anderen Menschen hat rein gar nichts mit „Wir sind das Volk“ zu tun. „Wir sind das Volk“ – das darf niemals etwas anderes meinen, als die Würde aller Menschen achten und schützen zu wollen, immer und unteilbar.

Wir dürfen uns das „Wir“ nicht wegnehmen lassen. Wir dürfen unser Land und unser Europa denen nicht überlassen. Wir wollen ein Volk guter Nachbarn sein – so hat es Willy Brandt gesagt –, in unserem Land und weit darüber hinaus. Dafür brauchen wir den Aufstand der Anständigen, wir brauchen viele, die ihre Stimme für Vernunft erheben. Und den Anstand der Zuständigen, sonst bleibt es bei der Rede dort, beim Post hier – und das soll es ja nicht. Und so bin ich entschlossen, weiterzuarbeiten, eben dort, wo ich zuständig bin. Aber doch nicht etwa allein – das Schöne ist: Niemand von uns ist allein, sondern kann wissen, dass wir, ja wir, doch so viele sind.

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